Bauwerksabdichtung

Veröffentlicht am 04.05.2020

Einen grundlegenden Rahmen zur Bauwerksabdichtung gibt die DIN 18195 vor. In der Vergangenheit bildete diese Norm die für die Bauwerksabdichtung relevanten Normen selbst ab. Seit ihrer Neuauflage 2017 klärt sie in erster Linie die Begrifflichkeiten und eindeutigen Standards zur Umsetzung. Die zentrale Normenreihe für die fachgerechte Abdichtung der Bauteile sind nun die Normen DIN 18531 bis DIN 18535, die sich an den verschiedenen Bereichen am Gebäude orientieren. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die verschiedenen Rahmenpunkte zur Bauwerksabdichtung, die die DIN-Vorgaben enthalten, sowie die essenziellen Besonderheiten insbesondere bei der Abdichtung von Flachdächern und erdberührten Bauteilen sowie dem Feuchteschutz allgemein.

1. Bauwerksabdichtung DIN-Vorgaben: Normen im Überblick

Für eine langfristig wirksame und effektive Bauwerksabdichtung sind einige zentrale Normen mit jeweils unterschiedlichem Themenschwerpunkt zu berücksichtigen. Die maßgeblichen Bauwerksabdichtungs-Normen sind DIN 18195, DIN 18531, DIN 18532, DIN 18533, DIN 18534 und DIN 18535. An welcher Stelle welche DIN zur Anwendung kommt, zeigt auch diese Übersicht.
Bauwerksabdichtung DIN Vorgaben Normen im Überblick
Quelle: Prof. Dr.-Ing. Peter Schmidt

1.1 DIN 18195 – Begrifflichkeiten rund um die Bauwerksabdichtung

Seit der Neuauflage der Normenreihe im Juli 2017 legt die DIN 18195 vorrangig die Definitionen und Begrifflichkeiten in diesem Bereich des Bauwesens fest. Bezüglich der anzuwendenden Regeln wurde sie von der Normenreihe DIN 18531 bis DIN 18535 abgelöst. In der aktuellen Fassung (2017-07) untergliedert sich die DIN 18195 Bauwerksabdichtungen in folgende Teile:
  • Beiblatt 1 – Beispiele für die Anordnung der Abdichtung
  • Teil 1 – Grundsätze, Definitionen, Zuordnung der Abdichtungsarten
  • Teil 2 – Stoffe
Abdichtungsstoffe – Einteilung nach primärem Werkstoff
Abdichtungsstoffe – Einteilung nach primärem Werkstoff - Quelle: Schmidt
  • Teil 3 – Anforderungen an den Untergrund und die Verarbeitung der Stoffe
  • Teil 4 – Abdichtungen gegen Bodenfeuchte und nichtstauendes Sickerwasser an Bodenplatten und Wänden; Bemessung und Ausführung
  • Teil 5 – Abdichtungen gegen nichtdrückendes Wasser auf Deckenflächen und in Nassräumen; Bemessung und Ausführung
  • Teil 6 – Abdichtungen gegen von außen drückendes Wasser und aufstauendes Sickerwasser; Bemessung und Ausführung
  • Teil 7 – Abdichtungen gegen von innen drückendes Wasser; Bemessung und Ausführung
  • Teil 8 – Abdichtungen über Bewegungsfugen
  • Teil 9 – Durchdringungen, Übergänge, Anschlüsse und Abschlüsse
  • Teil 10 – Schutzschichten und Schutzmaßnahmen.

Im Rahmen dieser Begriffsdefinitionen in den Teilen Vier bis Sieben unterscheidet die DIN 18195 insgesamt vier Varianten der Bauwerksabdichtung – jeweils abhängig davon, wie das Wasser auf die Bausubstanz einwirkt. Diese Aufzählung der Einwirkungen von Feuchtigkeit bezieht sich vorrangig auf unterirdische Räume, was an dieser Stelle beispielsweise die Flachdach-Abdichtung (siehe DIN 18531 sowie Flachdach: Abdichtung und Feuchteschutz ) primär nicht berücksichtigt. Diese vier Varianten sind

  • Nichtstauendes Sickerwasser: Das Wasser kann auch ohne aufwendige Baumaßnahmen verhältnismäßig zügig ablaufen. Die Voraussetzung dafür sind durchlässige Bodenverhältnisse.
  • Aufstauendes Sickerwasser: Aufgrund von beispielsweise lehmigen Bodenverhältnissen entstehen Wasseransammlungen, die nicht abfließen können. Zusätzliche Maßnahmen wie Drainagen und mehrschichtige Abdichtungen sind sinnvoll.
  • Von außen drückendes Wasser: Ein sozusagen permanenter Wasserdruck auf die Bausubstanz entsteht dann, wenn nicht genügend Abstand zwischen Grundwasserhöchststand und den Bodenplatten der Bausubstanz besteht. Aufwendige Verfahren zur Bauwerksabdichtung sind idealerweise bereits beim Neubau durchzuführen und einer nachträglichen Außenabdichtung vorzuziehen.
  • Von innen drückendes Wasser: Hier geht es um Nassflächen im Innenbereich. Der Einsatz geeigneter Systeme (Bodenlauf, Rinnenlauf, Rohrleitungen, et cetera) ist ebenfalls normgerecht umzusetzen.

 

Für eine ausführlichere Übersicht zur Einwirkung von Wasser auf die Bausubstanz, siehe dazu unter Einwirkungen von Feuchtigkeit und Wasser auf ein Bauwerk.

1.2 DIN 18531 – Bauwerksabdichtung bei Dachflächen

Die DIN 18531 regelt die Bauwerksabdichtung im Hinblick auf genutzte sowie ungenutzte Dachflächen. Dabei geht es vorrangig um den Schutz vor Niederschlagswasser. Konkret betrifft dies alle begehbaren Flächen, die den äußeren Witterungsbedingungen ausgesetzt sind, unabhängig von ihrer Nutzung. DIN 18531 hat fünf Teile, wobei sich die Teile Eins bis Vier allgemein auf nicht genutzte und genutzte Dächer bezieht und Teil Fünf Balkone, Loggien und Laubengänge werden gesondert betrachtet. Neben den zu verwendenden Stoffen geht es hier auch um das Gefälle: Dieses sollte 1,5 Prozent oder mehr betragen.
Gefälle in Abhängigkeit von der Anwendungsklasse
Gefälle in Abhängigkeit von der Anwendungsklasse - Quelle: Schmidt

Aus DIN 18531 ausgenommen sind unter anderem Dachversiegelungen, Unterdächer oder Beschichtungen als solche. Weitere Informationen zum Thema Flachdachabdichtung finden Sie im Folgenden auf dieser Seite unter Flachdach: Abdichtung und Feuchteschutz.

1.3 DIN 18532 – Bauwerksabdichtung bei befahrenen Verkehrsflächen aus Beton

Bei der Abdichtung von befahrenen Verkehrsflächen aus Beton ist DIN 18532 anzuwenden. In Abgrenzung zur DIN 18533 bildet diese Norm die Grundlage für die Bauwerksabdichtung von beispielsweise

  • Zufahrten und Durchfahrten
  • Stellplätzen
  • Parkgaragen
  • Freidecks
  • Brückenbauten.

Hier spielt auch die zu erwartende Belastung beziehungsweise Nutzung des Bauteils durch Verkehr eine maßgebliche Rolle. Die Ermittlung dieser erfolgt anhand von vier Nutzungsklassen: N1-V (gering) bis N4-V (sehr hoch).

1.4 DIN 18533 – Bauwerksabdichtung bei erdberührten Bauteilen

Großbaustelle mit einer Kellerkonstruktion für einen mehrteiligen Gebäudekomplex
Die Bauwerksabdichtung mithilfe einer weißen Wanne – mit oder ohne zusätzliche Beschichtungen durch Bitumenbahnen oder Kunststoffbahnen – eine weit verbreitete Vorgehensweise. (Bild: © Bertold Werkmann / stock.adobe.com)

Bei der Abdichtung erdberührter Bauteile geht es vorrangig nicht um Niederschlagswasser und allgemeine witterungsbedingte Einwirkungen, sondern solche wie

  • Bodenfeuchte
  • Kapillarwasser
  • Spritzwasser.

Insofern ist DIN 18533 die grundlegende Norm zur Bauwerksabdichtung von etwa

  • Erdberührten Wand- und Bodenflächen
  • Sockelbereichen
  • erdüberschütteten beziehungsweise unterirdischen Bauwerken.

Sonderbauten wie Tunnel sind von der DIN 18533 ausgenommen.

1.5 DIN 18534 – Bauwerksabdichtung bei Innenräumen

Die DIN 18534 befasst sich mit Bodenflächen und Wandflächen im Innenbereich, die der unmittelbaren Einwirkung von Wasser ausgesetzt sind und eine maximale Wasseranstauhöhe von zehn Zentimetern haben. Einige Anwendungsbeispiele für die DIN 18534 bei der Bauwerksabdichtung sind:

  • Badezimmer
  • Duschanlagen
  • Umgänge von Schwimmbecken
  • Produktionsflächen
  • Gewerbliche Flächen einschließlich Küchen
  • Kleingaragen
  • Bodenflächen, die über eine Ablaufvorrichtung verfügen

Ausgenommen aus der DIN 18534 sind hingegen beispielsweise Bauwerke,

  • die bereits unter DIN 18532 erfasst sind
  • deren Oberbeläge wasserabweisend sind
  • die mit Beton mit hohem Wassereindringwiderstand (WU-Beton) errichtet worden sind.

1.6 DIN 18535 – Bauwerksabdichtung bei Behältern und Becken

Die Bauwerksabdichtung von Becken und Behältern regelt die DIN 18535. Dies bezieht sich auf alle Anlagen im Innenbereich wie auch im Außenbereich, ob sie nun mit einem Bauwerk verbunden sind oder nicht.
Dies schließt die folgenden Beispiele mit ein:

  • Schwimmbecken
  • Regenwasser-Rückhaltebecken
  • Wasserspeicher
  • Zugehörige Zuläufe und Abläufe

Hier ist jeweils auf die Standort-Bezeichnung der Behälter zu achten, da diese die Funktion der Abdichtung des Behälters mitbestimmt (Schutz etwa lediglich vor Auslaufen im Gegensatz zum zusätzlichen Schutz des Bauwerks durch die Einwirkung von Wasser).

2. Flachdach: Abdichtung und Feuchteschutz

Flachdächer werden in Neubauprojekten immer beliebter: Als zusätzliche Nutzfläche eröffnen sie vielseitige Möglichkeiten. Als wirtschaftlichste Dachform hat sie sich zudem für Industriegebäude und gewerbliche Bauwerke weitgehend durchgesetzt. Ein Flachdach ist jedoch enormen Belastungsansprüchen ausgesetzt, deren Lösung sich im Vergleich zu Sattel- oder Schleppdächern etwas schwieriger gestaltet.

2.1 Herausforderungen an die Flachdachabdichtung

Wichtige Einflussfaktoren sind beispielsweise

  • Sonneneinstrahlung, UV-Strahlen, Infrarot-Strahlen
  • Temperaturschwankungen und entsprechende Materialausdehnung
  • witterungsbedingte Einwirkungen – von Starkregen über Hagel bis hohe Windstärken.

Insbesondere im industriellen Bereich kommen weitere Faktoren wie Vorgaben zum baulichen Brandschutz hinzu. Zudem werden je nach individueller Nutzung des Gebäudes gerade die Räumlichkeiten unter dem Dach als Stau- und Lagerraum genutzt. Bereits durch die fehlende Dachneigung gestaltet sich die richtige Flachdachabdichtung für nachhaltigen Feuchteschutz vergleichsweise schwierig.

2.2 Flachdachabdichtung: Übliche Materialien

Seit der Neuauflage der Bauwerksabdichtungs-Normen 2017 schließt die DIN 18531 nicht mehr nur nicht genutzte Dächer, sondern auch zur Nutzung gedachte Dächer mit ein. Für die ordnungsgemäße Bauwerksabdichtung beim Flachdach und einen nachhaltigen Feuchteschutz spielt Teil Zwei (DIN 18531-2 – Stoff) eine maßgebliche Rolle, da bei der Auswahl einige Faktoren zu berücksichtigen sind.
Schematischer Ablauf der Planung einer Dachabdichtung und zu beachtende Einflussgrößen
Schematischer Ablauf der Planung einer Dachabdichtung und zu beachtende Einflussgrößen - Quelle: Schmidt

Häufig eingesetzt: Bitumenbahnen und Kunststoffbahnen

Bitumenbahn wird zur Flachdachdeckung durch einen Dachdecker verlegt
Bitumenbahnen kommen aufgrund ihrer Materialeigenschaften bei der Bauwerksabdichtung häufig zum Einsatz, so auch bei der Flachdachabdeckung. (Bild: © Mario Hoesel / stock.adobe.com)

Besonders häufig machen Bitumen- und Kunststoffbahnen einen wesentlichen Teil der Bauwerksabdichtung aus und sind für einen langfristig hochwertigen Feuchteschutz unverzichtbar geworden.

Im Vergleich zu anderen Materialien zeichnen sich Bitumenbahnen vor allen Dingen dadurch aus, dass sie

  • eine hohe Perforationssicherheit aufweisen,
  • enorm elastisch sind,
  • dabei hohe Formstabilität bewahren,
  • gute Verarbeitungsmöglichkeiten bieten.

Hinzu kommen vielseitige Möglichkeiten, die Bitumenbahnen mit Trägereinlagen auszuwählen, die wiederum die Dehnfähigkeit und Reißfestigkeit des Materials unterstützen. Insbesondere für Polymerbitumenbahnen sind Temperaturschwankungen kein Problem, da sie überdurchschnittlich wärme- und kältebeständig sind. Welche Trägereinlagen letztendlich zum Einsatz kommen sollten, hängt vom Verwendungszweck ab.

Neben Bitumenbahnen verfügen auch Kunststoffbahnen über unterschiedliche Eigenschaften, die nach den jeweiligen Anforderungen auszuwählen sind, beispielsweise ob sie besonders beständig gegenüber chemischen oder säurebedingten Einwirkungen sein müssen. Für die Kunststoffabdichtung gibt es auch Kombinationsmöglichkeiten mit Bitumen.

Anforderungen an Materialauswahl der Flachdachabdichtung

Bei der Auswahl der Materialien bei der Flachdachabdichtung sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Wetterbedingte Temperaturschwankungen
  • Unmittelbare Sonneneinstrahlung sowie UV-Strahlung und schwankender Ozongehalt
  • Mögliche Belastungen durch Sturmwind und Hagelschlag
  • Umweltbelastungen in der unmittelbaren Umgebung
  • Gegebenenfalls Auswirkungen durch Gebäudebewegung

Insbesondere der Temperaturaspekt ist an dieser Stelle nicht zu unterschätzen: Im Hochsommer kann die Temperatur aus der Dachoberfläche leicht 80 Grad Celsius erreichen. Für die optimale Flachdachabdichtung sind allerdings nicht nur die Materialauswahl und Verarbeitung allein entscheidend: Planung und Ausführung wie auch die Wartung der Flachdachabdichtung sind von essenzieller Bedeutung, um einen langfristig wirksamen Feuchteschutz zu gewährleisten.

2.3 Flachdachabdichtung durchführen und überprüfen: Checkliste

Zwei Bauarbeiter in persönlicher Schutzausrüstung für Bitumenverlegearbeiten versiegeln die Schutzbeschichtungen an der Dachkante
Bei der Bauwerksabdichtung ist insbesondere bei Kanten, Übergängen und anderen Schwachstellen besondere Sorgfalt geboten, um einen wirksamen Feuchteschutz zu gewährleisten. (Bild: © Kadmy / stock.adobe.com)

Erfahrungsgemäß gibt es einige Schwachpunkte, die besondere Aufmerksamkeit erfordern – sowohl bei der Ausführung als auch bei der Wartung. Besondere Sorgfalt ist insofern geboten an den folgenden Stellen der Flachdachabdichtung:

  • Dachrand und Dachrandabschlüssen
  • Bewegungsfugen
  • Nahtverbindungen
  • Mauerabdeckungen
  • Durchbruchstellen
  • Kaminen
  • Dunstrohren
  • Antennendurchgängen
  • Abflussinstallationen
  • Lichtkuppeln.

Bei der Inspektion und Wartung der Flachdachabdichtung sollten Sie besonders an diesen Punkten genau hinsehen, um geringe Schäden frühzeitig festzustellen und kostenintensive Schäden an der Bausubstanz zu vermeiden. Nutzen Sie diese Checkliste gerne auch für nachträgliche Bauwerksabdichtung oder Ausbesserungsarbeiten.

3. Bauwerksabdichtung: Essenzieller Bestandteil von Feuchteschutz

Grundsätzlich gehört die Bauwerksabdichtung zum übergreifenden Bereich des Feuchteschutzes. Dabei leistet die Abdichtung selbst einen erheblichen Beitrag und kann bei sorgfältiger und normgerechter Umsetzung nahezu allen möglichen Gefährdungen der Bausubstanz durch Wasser vorbeugend wirken. Wie bereits unter DIN 18195 – Begrifflichkeiten rund um die Bauwerksabdichtung erwähnt, gibt diese als grundlegende Norm einige Begrifflichkeiten vor und bietet einen wichtigen Orientierungsrahmen, umfasst allerdings nicht alle Optionen präzise.

3.1 Einwirkungen von Feuchtigkeit und Wasser auf ein Bauwerk

Zusammengefasst lässt sich zwischen den folgenden Kategorien unterscheiden, wie Wasser beziehungsweise Feuchtigkeit auf ein Gebäude einwirken können:

1. Niederschlag

Niederschlag umfasst nicht nur Regen und Schnee, sondern auch Hagel und Graupel sowie Tau und Reif. Damit unterscheidet sich auch die Einwirkungsdauer, beispielsweise auf das für die Bauwerksabdichtung verwendete Material.

2. Spritzwasser

Unter Spritzwasser versteht man jedwedes Wasser in tropfbarer Form. Dieses entsteht beispielsweise dann, wenn Regenwasser an einer Oberfläche abprallt. Gerade im Sockelbereich von Bauwerken stellt dies häufig ein Problem dar, weshalb ein Spritzwasserschutz am Mauerwerk über der Erdgleiche notwendig ist. Von Spritzwasser spricht man allerdings auch beim Gebrauch von Wasser in sanitären Anlagen wie etwa unter der Dusche.

3. Drückendes Wasser

Drückendes Wasser muss nicht dauerhaft vorliegen und kann beispielsweise erst mit sich nachträglich verändernden Bedingungen eintreten. Diese Art der Einwirkung tritt beispielsweise im Zusammenhang von

  • Hochwasser
  • angestautem Sickerwasser
  • Hangwasser
  • Grundwasserspiegel
  • wasserführende Bodenschichten

auf. Bei drückendem Wasser ist eine nachträgliche Bauwerksabdichtung insbesondere aufwendig und kostenintensiv. Des Weiteren gilt eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Richtungen: Von außen drückendes Wasser inkludiert letztendlich alle der oben aufgelisteten Einwirkungsfaktoren. Bei von innen drückendem Wasser geht es um die entsprechende Bauwerksabdichtung bei beispielsweise

  • Küchenräumen, insbesondere bei gewerblicher Nutzung
  • Nassräumen und sanitären Anlagen
  • Schwimmbädern
  • Wasserbehältern.

Einen gewissen Sonderfall bildet Wasserdampf: Dieser kann einerseits durch aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdreich entstehen, andererseits in Nassräumen im Innenbereich. Somit spielt diese Form der Feuchtigkeit für die Anwendungsbereiche der DIN 18533 (erdberührte Bauteile) wie auch der DIN 18534 (Innenräume) eine Rolle.

4. Nicht drückendes Wasser

Neben drückendem Wasser kann auch nicht drückendes Wasser die Bausubstanz angreifen. Darunter versteht man gemeinhin die im Boden enthaltene Feuchtigkeit und sich nach und nach aufstauendes beziehungsweise nur langsam ablaufendes Sickerwasser. Dies stellt vor allen Dingen aufgrund der Kapillarwirkung ein Problem dar, wodurch Wasser selbst in enge Poren eindringt beziehungsweise aufsteigt.

5. Baufeuchte

Unter Baufeuchte fallen alle Arten von freier Feuchtigkeit, die im Zuge des Bauprozesses in das Bauwerk eingedrungen und nicht chemisch gebunden sind. Dazu gehören beispielsweise

  • Adsorptionswasser
  • Adhäsionswasser
  • Wasser in Kapillaren, Rissen und Poren
  • Tropfwasser.

Wasser und Feuchtigkeit allgemein sind für zahlreiche Baustoffe und damit für den Bauprozess unerlässlich, insbesondere bei der Abdichtung mit flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen, dürfen jedoch einen gewissen Punkt nicht überschreiten. Andernfalls treten langfristig Bauschäden auf, die sowohl für die Bausubstanz als auch für die Gesundheit schwere Konsequenzen nach sich ziehen können, beispielsweise im Hinblick auf Baustatik und durch Schimmelbildung.

6. Tauwasser

Tauwasser oder auch Kondenswasser kann sich auf der äußeren Oberfläche des Bauwerks bilden, jedoch auch im Innenbereich. Darauf haben mehrere Faktoren einen Einfluss, wie die Temperatur der Luft, Art und Temperatur der Materialien, Luftfeuchtigkeit und Wärmedämmung. Tauwasser stellt beispielsweise dann eine Gefährdung für die Bausubstanz dar, wenn es sich zwischen Wärmedämmung und Abdichtung bildet. Damit vermindert es auch die Dämmwirkung erheblich.

Insofern sind zusätzliche Maßnahmen zur Bauwerksabdichtung, die die Normen ergänzen, sinnvoll, um den langfristigen Feuchteschutz zu gewährleisten und die Bausubstanz so lange wie möglich in einem guten Zustand zu erhalten. Im Falle von Tauwasser etwa eignet sich der Einsatz sogenannter Dampfsperren, um auch das Dämmmaterial selbst vor eindringendem Wasser zu schützen. Bei drückendem Wasser ist zu prüfen, ob das Legen von Drainagen Abhilfe schaffen kann.

3.2 Bauwerksabdichtung für erdberührte Bauteile: Vier Arten von Wannen

Um von Vornherein zu verhindern, dass drückendes und nicht drückendes Wasser die in der Erde befindliche Bausubstanz gefährden, ist die Bauwerksabdichtung in geschlossener Wannenform vorgeschrieben. Im Bauwesen sind vor allen Dingen vier Varianten gebräuchlich, die die erdbefindlichen Bauteile umfassen und insbesondere vor drückendem Wasser schützen:

  • Schwarze Wanne: Beschichtung aus Bitumendickbeschichtungen beziehungsweise Bitumenbahnen auf der Außenseite des Bauwerks. Gegebenenfalls kommen hier auch Kunststoffbahnen beziehungsweise kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen zum Einsatz.
  • Weiße Wanne: Stahlbetonkonstruktion aus wasserundurchlässigem Beton ohne zusätzliche Beschichtung.
  • Braune Wanne: Zusätzliche Beschichtung einer wasserundurchlässigen Stahlbetonkonstruktion basierend auf Natriumbetoniten, also bräunlichen, stark quellfähigen Tonmineralen.
  • K-Wanne: Beschichtung aus Kunststoff-Abdichtungsbahnen auf der Außenseite des Bauwerks.

Bei allen Wannenarten zum Schutz vor drückendem Wasser ist zu beachten, dass diese mindestens 30 Zentimeter über dem Höchstwasserstand des Grundwassers liegen.

4. Bauwerksabdichtung anhand von DIN 18195 und DIN 18531–18535

Die verschiedenen Vorgaben zur Bauwerksabdichtung in DIN 18195 sowie der Normenreihe DIN 18531 bis 18535 geben sowohl einen umfassenden Überblick als auch wichtige Orientierungspunkte für wirksamen Feuchteschutz an Gebäuden. Die Untergliederung der einzelnen Normen ermöglicht zudem eine Unterscheidung der Anwendungsbereiche, die sich in der Praxis weitestgehend reibungslos umsetzen lässt.

Quelle: Forum Verlag Herkert GmbH Praxisgerechte Bauwerksabdichtung

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