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Mit WDVS die Fassade effizient dämmen

Energieeffizienz ist die Grundlage moderner Gebäude. Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) versprechen Energieersparnis und damit eine Reduzierung der Heizkosten.

Inhaltsverzeichnis

Im Angesicht hoher Energiepreise und der Klimakrise erfreuen sich energieeffiziente Gebäude großer Beliebtheit. Neben Strom aus regenerativen Quellen spielt dabei vor allem auch die Dämmung des Gebäudes eine große Rolle. Für die Dämmung der Außenwand sind vor allem sogenannte Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) beliebt. Im Folgenden erfahren sie , wie WDVS aufgebaut sind, welche Vorteile sie bieten und welche Alternativen sie haben.

Moderner Neubau eines Mehrfamilienhauses mit mit weißer Fassade
Bei neuen Wohn- und Geschäftsgebäuden werden Wärmedämmverbundstoffe direkt mitgeplant.
Foto: stock.adobe.com / Tiberius Gracchus

Was sind WDVS?

Wärmedämmverbundsysteme (kurz: WDVS) sind Fassadendämmungen, die aus mehreren Schichten bestehen. Das WDVS ist ein Komplettsystem, bei dem die verwendeten Komponenten aufeinander abgestimmt sind, um auch tatsächlich als effizientes System zu funktionieren.

Wie sind WDVS aufgebaut?

Wärmedämmverbundsysteme bestehen im Wesentlichen aus drei Komponenten. Dabei ist es besonders wichtig, dass alle Bestandteile optimal aufeinander abgestimmt sind, damit die Dämmung als System funktioniert. Somit ist gewährleistet, dass das WDVS den geforderten Wärmedämm-Standard in vollem Umfang erfüllen kann.

Die unterste Schicht ist die Wärmedämmung. Der Dämmstoff wird direkt mit Hilfe von Kleber oder Mörtel auf der gemauerten Außenwand oder der Fassade angebracht und zusätzlich mit Tellerdübeln befestigt. Nach wie vor finden hier häufig Polystyrolplatten als Dämmstoff Anwendung, doch auch nicht brennbare Platten aus Mineralwolle oder Mineralschaum sind beliebt. Allerdings erkennen auch immer mehr Bauherren die Vorzüge von diffusionsoffenen Dämmplatten aus regenerativen Stoffen wie Holz oder Hanf.

Wärmedämmung
Armierung
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Putz

Die mittlere Schicht ist die Armierung. Hier wird Armierungsmörtel aufgetragen, in den ein Armierungsgewebe eingearbeitet wird. Üblich ist ein reißfestes Glasfasergewebe, aber insbesondere bei natürlichen WDVS sind auch Armierungsgewebe aus Naturfasern wie Jute möglich. Das Armierungsgewebe dient zur Bewehrung der Putzschicht gegen Risse, indem es Spannungen flächig verteilt und somit Risse verhindert.

Die oberste Schicht ist der Putz. Bei WDVS werden häufig mineralische Putze oder Putze mit Kunstharz-Anteilen verwendet.

Eine besondere Herausforderung stellt vor allem der Übergang zwischen der Fassadendämmung mit WDVS und der Dämmung und Abdichtung erdberührter Bauteile. Hier ist die Zusammenarbeit mehrerer Gewerke gefragt. Informieren Sie sich dazu bei Ihrem Experten.

Außenwand mit WDVS-Dämmstoff, der mit Tellerdübeln und Mörtel befestigt ist. Noch keine Armierungsschicht oder Putz.
Bei WDVS wird die Dämmschicht meist doppelt mit Mörtel und Tellerdübel befestigt.
Foto: stock.adobe.com / Smole

Niedriger Energieverbrauch: Die Vorteile

Das WDVS bietet eine ganze Reihe von Vorteilen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher, die eine Wärmedämmverbundsystem für ihre Immobilie in Erwägung ziehen, sind in erster Linie der sinkende Energieverbrauch und die damit sinkenden Heizkosten relevant. Fachfirmen versprechen eine Einsparung von bis zu 30%. Ein Bonus: Wer weniger Energie zum Heizen benötigt, erzeugt auch weniger CO2.

Gleichzeitig wirkt sich ein WDVS auch positiv auf den Wert des Gebäudes ein. Dadurch, dass die Fassade von außen gedämmt ist, wird die Bausubstanz vor der Witterung und Umwelteinflüssen geschützt. Außerdem kühlen die Innenwände nicht so schnell aus, wodurch es seltener zu Schimmel kommt.  Nicht zuletzt bedeutet einen deutlichen Behaglichkeitsgewinn für die Bewohner: Die Raumluft bleibt dank der Dämmung gleichmäßig warm und sorgt für ein angenehmes Raumklima.

Potentielle Nachteile von WDVS

Wie immer gilt jedoch: Wo Vorteile sind, gibt es auch Nachteile. Das WDVS stellt hier keine Ausnahme dar.

Auch wenn sich ein WDVS im Regelfall über die Jahre amortisiert, sind die initialen Kosten dafür hoch. Durch die aufwendige Montage, die zwingend von einer Fachfirma ausgeführt werden muss, steigen die Kosten je nach Größe der Fassade und Material in den mittleren fünfstelligen Bereich.

Algen, Flechten und Moose auf dem Außenputz treten bei Wärmedämmverbundsystem immer wieder auf: Sie sind jedoch ein rein optisches Problem und lassen sich durch die Wahl eines alkalischen Putzes (z.B. auf Kalkbasis) verhindern.

Ein kurioses Problem stellen übrigens gefiederte Mitbewohner dar: Papageien können ihre Fassade als Nisthöhle nutzen.

Zwei Fenster einer Wohnung, in der es gebrannt hat. Über dem Fenster schwarz verrußte Fassade. Fenster sind mit Holz verbarrikadiert.
Fassaden - auch mit WDVS - sind selten die Brandursache. Auch die Ausbreitung des Feuers erfolgt selten über die Außenwand.
Foto: stock.adobe.com / Axel Bueckert

Brandgefährlich? WDVS und Brandschutz

Höchst umstritten ist die Rolle von WDVS, insbesondere mit Polystyrol, beim Brandschutz. Anlass dafür sind aufgeheizte Diskussionen um spektakuläre Fassadenbrände aus den letzten Jahren. Aber der Reihe nach:

Das Brandverhalten von WDVS wird auf der Grundlage der deutschen Norm DIN 4102-1 oder der europäischen Norm EN 13501-1 eingestuft. Für eine Zulassung durch das DIBt muss ein z.B. WDVS mit Polystyroldämmplatten mindestens den Nachweis für die Baustoffklasse B1 (schwer entflammbar) erbringen. Etwas schlechter stehen Holzfaserdämmplatten da: Sie fallen meist in die Kategorie B2 (normal entflammbar). Ein WDVS mit Mineralwolle dagegen erfüllt die Baustoffklasse A (nicht brennbar).

Bauliche Brandschutzanforderungen

Die Wahl des WDVS richtet sich nach den baurechtlichen Brandschutzanforderungen und der Gebäudehöhe. Für niedrige Gebäude (<7m) gibt es keine speziellen Anforderungen an die Baustoffklasse des WDVS. Hier reichen normal entflammbare Systeme aus. Bei Gebäuden mit mittlerer Gebäudehöhe (≤22m) steigt die Anforderung: Hier muss das WDVS mindestens die Baustoffklasse B1 (schwer entflammbar) aufweisen. Zusätzlich müssen gebäudeumlaufende Brandriegel (z.B. aus Mineralwolle) eingeplant und gebaut werden.

Brandursache häufig in den Innenräumen

Richtig ist zudem unzweifelhaft, dass die Brandursache in den meisten Fällen in den Innenräumen zu finden ist. Möbel, Elektrogeräte und andere Teile der Inneneinrichtung sind wesentlich brennbarer als die Fassadenelemente eines Gebäudes. Der Anteil an Bränden, die an der Fassade entstehen, liegt nur bei ca. 0,1 %.

Somit geht von Wärmedämmverbundsystemen keine erhöhte Gefahr für schwere Brände aus.

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Welche Alternativen zu WDVS gibt es?

Wenn eine Außenwanddämmung mit WDVS nicht infrage kommt, obwohl die Bauherren eine Wärmedämmung wünschen, gibt es mittlerweile eine Bandbreite an Alternativen.

Für die Außenwanddämmung bieten sich z.B. zweischaliges Mauerwerk, Wärmedämmziegel oder eine hinterlüftete Fassade an. Beim zweischaligen Mauerwerk werden zwei Wände parallel zueinander gemauert. In dem Zwischenraum kann mit herkömmlichen Dämmstoffen gedämmt werden. Bei Wärmedämmziegeln befindet sich der Dämmstoff – wie bereits der Name suggeriert – direkt in den Ziegelsteinen. Hinterlüftete Fassaden haben einen Hohlraum, der Luftzirkulation ermöglicht.

Theoretisch denkbar sind ebenfalls Vakuum-Isolierpaneele. Ihnen wird eine ausgezeichnete Dämmwirkung nachgesagt, doch ihre geringe Verfügbarkeit und ihr hoher Preis von mehr als 200 € pro Quadratmeter machen sie für viele Bauherren unattraktiv.

Neben der Dämmung der Außenwand ist auch eine Innendämmung möglich. Diese kann ganz klassisch mit Styropor erfolgen, doch auch individuelle Dämmstofflösungen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holzfaser, Hanf oder Zellulose sind möglich.

Dämmung ist Pflicht

Abschließend lässt sich sagen, dass WDVS für Gebäude mit großen, modernen Fassadenflächen gut geeignet sind. Wenn Sie sich für eine Fassadendämmung entscheiden, schützen Sie die Bausubstanz Ihres Gebäudes, sparen Energie und werten Ihre Immobilie auf. Allerdings stehen Ihnen auch viele Alternativen für die Außen- oder Innendämmung zur Verfügung, wenn Sie die hohen Initialkosten nicht tragen wollen oder in einem denkmalgeschützten Gebäude leben. In jedem Fall profitieren sowohl Sie als auch Ihre Immobilie von einer guten Wärmedämmung.